EMDR - Eye Movement Desensitization and Reprocessing

EMDR ist eine von Dr. Francine Shapiro/USA entwickelte Traumamethode. Dabei han-delt es sich um ein sehr strukturiertes, zielorientiertes Vorgehen in achte "Therapie-schritten", um sich von dysfunktionalen Lebenserfahrungen zu befreien.

 

Patienten berichten oft von spontanen inneren Einsichten, die sich mit den Trauma-tischen Erinnerungen verbinden und anschließend zu neuen Gefühlen, Gedanken und Handlungen befähigen.

 

Auch wenn am Anfang vielleicht manches schematisch und starr wirkt, so werden Sie doch im Umgang mit dieser Technik bald die Kraft spüren, die dahinter steckt, den tiefen Glauben an die innere Heilfähigkeit und die große Bandbreite möglicher thera-peutischer Flexibilität und Spontaneität.

 

Die Anwendung von EMDR erfordert auf Seiten des Therapeuten viel Professionalität, Vertrauen und Strukturiertheit. Patienten erleben eine Atmosphäre voll Klarheit und Sicherheit auf der einen Seite und liebevolle Akzeptanz all dessen, was ist, auf der anderen Seite. Beides zusammen ermöglicht, einen optimalen Abstand von dem belastenden, unverarbeitenden Erinnerungsmaterial herzustellen und aufrecht zu erhalten. Das Potential zur Heilung bringen Menschen ja sowieso in die Praxis mit, jedoch den Zugang dazu zu finden und es zur vollen Entfaltung zu bringen, ist die gemeinsame Aufgabe von Patient und Therapeut während des gemeinsamen Therapieprozesses.

 

Ein Fallbeispiel für eine Behandlung bei akuter Einmaltraumatisierung:

Eine junge Frau sucht nach einem Autounfall vor zehn Wochen eine Therapeutin auf, weil sie seit dem Unfall starke Kopf- und Nackenschmerzen hat, für die es nach ärztlicher Meinung keinen organischen Grund mehr gibt. Sie ist äußerst schreckhaft, insbesondere beim Autofahren und sehr geräuschempfindlich. Laute Töne oder viele Geräusche gleichzeitig versetzen sie in einen panikartigen dissoziativen Zustand. Außerdem verfolgen sie die Bilder des Unfalls, insbesondere der Moment, als sie sich nicht bewegen konnte und kein Gefühl dafür hatte, ob sie „noch lebt“.

 

Nachdem therapeutisch eine gute Beziehung aufgebaut wurde, konnte mit der Verarbeitung dieses Unfalls mittels EMDR begonnen werden: Dazu wurde zunächst der spontan beschriebene belastende Moment als Ausgangsbild gewählt. Zu dieser konkreten Situation wurde erfragt, wie die Klientin heute bei der Erinnerung daran über sich selbst denkt (negative Kognition: „Ich bin tot!“), darüber hinaus was sie während der Schilderung fühlt (Schrecken, Hilflosigkeit) und welche Körper-empfindungen sie bemerkt (Kopfschmerzen, starke Anspannung im Nacken, Schmerzen im linken Arm, Herzklopfen). Außerdem wurde ein „ideales Gegenstück“ zu der negativen Selbstbeschreibung erarbeitet (positive Kognition: „Ich habe überlebt!“).

 

Während des anschließenden EMDR-Prozesses kamen vielfältige Eindrücke, Körper-empfindungen und Bilder wieder an die Bewusstseinsoberfläche, die vorher nur schwach erinnerbar waren. In fast chronologischer Reihenfolge durchlief die Klientin den Unfall in ihrer Erinnerung nochmals vom Moment des Aufpralls an bis zum späteren Eintreffen zu Hause. Das Ende des Prozesses wurde durch eine deutliche Erschöpfung und das Verblassen des Anfangsbildes signalisiert. Körperlich war sie anschließend entspannt und schmerzfrei!

 

Das Resultat dieser 90minütigen EMDR-Sitzung war das fast vollständige Verschwinden aller Symptome: Keine Kopf- und Nackenschmerzen mehr, eine nur noch geringfügige Geräuschempflindlichkeit, die in den nächsten Wochen vollständig nachließ, eine den Gefahren des Straßenverkehrs angemessene Schreckhaftigkeit und keine sich aufdrän-genden Unfallbilder mehr.

 

In Fällen komplexer Traumatisierungen dauert der Verarbeitungsprozess erheblich länger, kann aber mittels EMDR gegenüber herkömmlichen Psychotherapieverfahren deutlich beschleunigt werden! (Schubbe, 2004, Traumatherapie mit EMDR, Vanden-hoeck & Ruprecht)

 

Ich arbeite mit EMDR auch speziell bei starker Trauer von lieben Verstorbenen. Dabei kommt es häufig zu "Nachtoderfahrungen", in denen es möglich ist, all das dem Verstorbenen zu sagen, was noch offen und wichtig ist. Dieser Prozess ermöglicht eine tiefe Verbundenheit mit dem Verstorbenen und öffnet ein Feld von Liebe und Licht.

Dr. Karin Neumann

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