EMOTIONSFOKUSSIERTE PAARTHERAPIE EFT

Die emotionsfokussierte Paartherapie ist ein erlebnisorientierter und systemischer Ansatz, der von Susan M. Johnson, Professoren für Psychologie an der Ottawa University (Kanada) entwickelt wurde: Es ist ein strukturierter Prozess, der in drei Phasen und neun Schritten abläuft. Dabei wird die Auffassung vertreten, dass Partnerschaftskonflikte durch die Art, wie die Partner ihr emotionales Erleben organisieren und verarbeiten, sowie durch ihre Interaktionsmuster, aufrecht erhalten werden – wobei die Interaktionsmuster im Laufe der Zeit ein „Eigenleben“ entwickeln und sich selbst verstärken können; das führt zu einem Teufelskreis von Verletzung und Verzweiflung: Das Paar ist in einer Sackgasse gefangen, aus der es nicht mehr alleine hinaus kommtDieser beengende und kräftezehrende Zustand macht emotionale Offenheit und Reaktionsbereitschaft fast unmöglich.. 

 

Was passiert in einer EFT-Paarsitzung? 

 

In der Praxis wird im Sinne der Bindungstheorie eine sichere Basis geschaffen, damit das Paar Kontakt zu seinen Gefühlen herstellen, an diesen arbeiten, und das Verhalten zukünftig ändern kann. Die Therapeutin behält dabei gleichzeitig alle Realitäten im Blick: Sie muss sehen, dass der schweigende Rückzug des Partners angesichts des Verhalten des anderen eine fast unvermeidliche Reaktion ist; gleichzeitig muss sie erkennen, dass die Art, wie dieser zweite Beteiligte sein Erleben organisiert, beim Rückzug des anderen eine Rolle spielt - und auch sein Verhalten beeinflusst.  

 

Man kann diesen Prozess in der Art verstehen, dass das Paar in der Therapiesitzung den Zyklus (das „Muster“) herausfindet, weshalb es immer wieder zum Streit kommt – und sich danach jeder Einzelne unverstanden und frustriert fühlt.

 

Die Therapeutin greift bei einer EFT-Sitzung aktiv in den Prozess ein (statt diesen aus einer distanzierten Haltung zu beobachten), damit das Paar für sich den „Teufelskreis in ihrer Beziehung“ entdeckt, um daraufhin neue Möglichkeiten etablieren zu können ! 

 

Ein Beispiel: 

Ehefrau: Du bist so schwierig – ich kann Deine Haltung einfach nicht ertragen. 

Ehemann: (Wirft die Hände hoch, dreht sich um und schaut aus dem Fenster...) 

Therapeutin: Was geht In Ihnen vor, während Ihre Frau das sagt? 

Ehemann: Nichts. Ich bin daran gewöhnt. Sie sagt solche Dinge ständig. 

Therapeutin: Sie fühlen also nichts dabei wenn sie sagt: „Du bist so schwierig – ich kann Deine Haltung einfach nicht ertragen?“ 

Ehemann: Das passiert oft. Ich versuche dann einfach, es von mir abprallen zu lassen – es zu vergessen. (Wechselt in den Bewältigungsmodus) 

Therapeutin: Sie versuchen, die Situation zu vergessen, in denen sie zu Ihnen sagt, dass Sie zu schwierig seien, als dass sie es ertragen könne? (Klient nickt). Aber was passiert in dem Sekundenbruchteil, bevor Sie versuchen, ihre Worte beiseite zu schieben und zu „vergessen“? Dann, wenn sie zu Ihnen sagt, Sie seien zu schwierig? 

Ehemann: Das weiß ich nicht. Ich entferne mich davon. 

Therapeutin: Gibt es an der Sache etwas, das Ihnen zu hart ist? Zu beunruhigend? Etwas, das Sie nicht ertragen können? (Klient nickt). Was hören Sie Ihre Frau sagen? (Fokussieren auf die anfängliche Einschätzung).  

Ehemann: (Einschätzung-Bedrohung) Sie sagt, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin, dass diese Beziehung zum Scheitern verurteilt ist – dass sie schon „den Bach runter“ ist.  

Therapeutin: (Fokus auf die körperliche Erregung) Sie haben Ihre Hände hochgeworfen – etwa so (wiederholt diese Bewegung) – ist das die Hoffnungslosigkeit? Die Niederlage? (Geht zur Neueinschätzung der Bedeutung über) 

Ehemann: Ich nehme an ja. 

Therapeutin: Sie werfen Ihre Hände hoch und deuten damit an, dass Sie aufgeben – weil es sowieso hoffnungslos ist? 

Ehemann: Ja (Schaut auf seine Schuhe – seine Stimme ist leise) Es gibt nichts, was ich tun könnte, um es zu ändern. 

Therapeutin (fokussiert auf die Bedeutung) Sie hören sie sagen: „Du bist zu schwierig.“ Sie fühlen sich hoffnungslos. Sie versuchen, dies beiseite zu wischen, aber Ihr Körper bringt die Hoffnungslosigkeit zum Ausdruck und Sie sagen zu sich selbst – ja, was? „Ich hab´s vermasselt? Ich habe sie schon verloren?“ 

Ehemann: Ja, Ich habe die Sache völlig verdorben. Ich werde es nie schaffen, mit ihr zurechtzukommen. Sie hat ihre Maßstäbe, und ich kann das nicht ... Ich werde nie ... (weint) 

Therapeutin: (Handlungstendenz) Sie geben also auf und ziehen sich zurück, um sich zu schützen – um den Schmerz und das Gefühl der Hilflosigkeit nicht mehr zu spüren. Und dann werden Sie (zur Ehefrau gewandt) noch wütender (Klientin nickt), und das ist der Zyklus (das Muster), der in Ihrer Beziehung den Ton angibt und der bewirkt, dass Sie beide sich allein gelassen fühlen (Bedeutung für die Bindung). Und deshalb kommen Ihnen die Tränen? 

Ehemann: Nein, meine Augen sind nur feucht. 

Therapeutin: Sie sagen sich: „Ich habe es vermasselt, habe sie verloren, werde es mit ihr nie schaffen?“ Ein Teil von Ihnen möchte kapitulierend die Hände hochwerfen – wie: „Ich werde es ihr nie recht machen, nie ihre Liebe gewinnen!“ – Ist es das? (Wiederholen des Bedeutungsrahmens) 

Ehemann: Genau. Mein Bruder hat gesagt, man müsse einen bestimmten Zeitpunkt abwarten, um zu heiraten, und damit hat er gemeint, ich sei zu jung dazu. Aber man tut, was man tut. In meiner Familie haben alle jung geheiratet. (Ausweichen auf ein Nebenthema) 

Therapeutin: Ich würde gerne noch einmal auf das Thema von vorhin zurückkommen (Refokussierung). Wenn Sie hören, dass Ihre Frau wütend ist, entfernen Sie sich – versuchen Sie, die Sache zu vergessen – und sie sieht – was hat sie doch gleicht gesagt? – sie sieht „Kälte“ (Klientin nickt). Aber tatsächlich werfen Sie Ihre Hände hoch.  Sie versuchen, mit einem starken Gefühl der Niederlage fertig zu werden, einem Gefühl des Misserfolgs, mit der Angst davor, dass Sie es ihr nie werden recht machen können. Verstehe ich das richtig? (Zusammenfassung aller Elemente des emotionalen Erlebens im Kontext des Zyklus = des Musters) 

Ehemann: Ja, das ist es. Ich glaube, das ist es. (weint) 

Therapeutin: Können Sie nun Ihre Frau anschauen und ihr folgendes sagen: „Ich habe gehört, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin – ich habe dich schon verloren, deshalb verschließe ich mich, um meinen Schmerz nicht mehr zu spüren.“ – Können Sie ihr das jetzt bitte sagen? ... 

Anschließend hilft die Therapeutin der Frau, ihre Reaktion auf diese Botschaft zu entwickeln und zu formulieren – und aufgrund dessen neue Lösungen zu finden, wie das Paar in einer solchen Situation zukünftig anders miteinander umgehen kann [Symbol]. 

 

Literaturangabe: Susan M. Johnson 2009): Praxis der Emotionsfokussierten Paartherapie, Junfermann Verlag 

Dr. Karin Neumann

+43 (0) 676 7613898

2380 Perchtoldsdorf
bei Wien

Elisabethstrasse 109

E-Mail